| Samstag, 27. März 2004 |
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Drei schlaue Köpfe aus der Ostschweiz suchen an der
Erfindermesse in Genf nach Investoren für ihre Neuheit: Lasec (Last Seconds) soll die Rekonstruktion von Verkehrsunfällen ermöglichen.
sonja mennel
Es gibt Verkehrsunfälle, nach denen ein Autofahrer ohne eigenes Verschulden hohe Kosten zu tragen hat. Zum Beispiel, wenn es sich um einen Fall von Fahrerflucht oder eine Massenkarambolage handelt, bei welcher der Unfallhergang nicht eindeutig ermittelt werden kann. In solchen Fällen soll künftig Lasec (Last Seconds) weiterhelfen.
Damit Lasec funktionieren kann, wird zweierlei benötigt. Zum einen Aufzeichnungen zweier Kameras, die vom Auto aus filmen. Zum andern eine Software, die es ermöglicht, aus den Bildern eine dreidimensionale Animation zu erstellen. Die zwei kleinen Kameras sind vergleichbar mit günstigen Webcams und werden etwa 100 Franken kosten.
«Die Kameras sollen günstig zu erwerben sein. Kostspielig wird die Auswertung - die ja nur nach einem Unfall nötig wird», erklärt der Hemberger David
Sourlier, Erfinder des Systems. Die zwei Kameras zeichnen Bilder auf einen Ringspeicher auf. Dieser bietet einen Speicherplatz von zehn Sekunden. Ist das Fahrzeug in einen Unfall verwickelt, wird das Aufzeichnen gestoppt - von den letzten zehn Sekunden davor stehen Bilder zur Verfügung, die ausgewertet werden können.
«Die Kameras werden so weit wie möglich auseinander montiert. Je breiter der Winkel der Aufzeichnungen ist, desto mehr wird auf der Animation sichtbar sein», so Sourlier. Vereinfacht ausgedrückt: Die zwei Kameras machen von demselben Geschehen zwei Bilder aus verschiedenen Winkeln. Im Computer werden diese übereinander gelegt - so entsteht aus zwei zweidimensionalen Bildern eine dreidimensionale Animation.
«Eigentlich ist dieser Vorgang vergleichbar mit dem menschlichen Auge», erklärt Sourlier. «Strecken wir unseren Zeigefinger aus und schliessen einmal das rechte und dann das linke Auge, springt unser Finger hin und her. Unser Gehirn legt die beiden Bilder übereinander - und schon können wir räumlich sehen.» Was für unser Gehirn selbstverständlich ist, benötigt für eine Computeranimation jedoch einiges an Fachwissen.
Die Animation macht es so-mit möglich, den Unfallhergang
aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Zudem können
Distanzen, Geschwindigkeiten oder Bremsreaktionen ausgemessen werden.
Lasec soll nicht nur Autofahrern zu ihren Rechten verhelfen, sondern auch die Arbeit von Versicherungen und Polizei erleichtern. So kann ermittelt werden, bei welchem Verkehrsteilnehmer die Schuld liegt und welche Versicherung für die Folgeschäden aufkommen muss.
Das Erfinderteam fragt sich, weshalb Unfälle überhaupt entstehen: «Autofahren ist der Inbegriff der Freiheit - da will sich niemand einschränken lassen», sagt Simon Corazza, der zusammen mit Urs Eugster einen Businessplan erstellt, um die Erfindung vermarkten zu können. «Dazu kommt, dass aktive Sicherheitseinrichtungen wie das Antiblockiersystem zum Bremsen oder Airbags dazu verleiten, unvorsichtig zu fahren.»
Genau dort liegt das Potenzial, bei der passiven Sicherheit: «Nur schon durch das eingebaute
Lasec-System fährt man vorsichtiger - das ist der psychologische Effekt der Sache», so Corazza. Urs Eugster ist derselben Ansicht: «Es geht darum, eine Verhaltensveränderung zu bewirken.»
«So kann auch ein Vater beruhigt sein, wenn seine Kinder mit seinem Auto unterwegs sind», fügt Corazza mit einem Lachen hinzu.
Nun heisst es, die Erfindung an den Mann zu bringen. Das Lasec-Team erhofft sich, an der Erfindermesse in Genf vom 31. März bis zum 4. April Interessenten zu finden. «Wir brauchen Investoren. Autohersteller zum Beispiel, die das System aufnehmen. Oder eine Versicherung, die Lasec an ihre Kunden vertreibt und zugleich von der Software Gebrauch macht», sagt Sourlier.
Wer weiss, vielleicht ist Lasec in zehn Jahren für uns so alltäglich wie heute die Servolenkung? Das Lasec-Team
Die St. Galler Urs Eugster und Simon Corazza studieren beide an der HSG, Vertiefungsgebiet Klein- und Mittelunternehmen, 8. Semester. Gemeinsam nehmen sie an einem gesamtschweizerischen Businessplan-Wettbewerb für angehende Jungunternehmer Teil.
Der Hemberger David Sourlier arbeitet im Bereich der dreidimensionalen Messtechnik. Er hat das Unfallanalyse-Gerät Lasec erfunden und patentiert. Auf der Suche nach Hilfe für den wirtschaftlichen Bereich ist er in der Kontaktbörse des Businessplan-Wettbewerbs auf die beiden HSG-Studenten aufmerksam geworden. Er hat Kontakt zu ihnen aufgenommen und die beiden für seine Idee begeistert.
Die Aufgabe von Corazza und Eugster ist es nun, Sourliers Erfindung zu vermarkten: Wer hat etwas davon, in Lasec zu investieren? Wer ist Käufer, wer Verkäufer? Der fertig gestellte Businessplan soll an der Erfindermesse Interessenten für Lasec begeistern. (som) |
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